10 Antworten von WienAndas

Die Antworten sind von Stefan Ohrhallinger:
1. Die Bürgerbeteiligung 2013-2014 war ein großer Erfolg: Soll es Ihrer Meinung nach
weitere Beteiligungsmöglichkeiten für BewohnerInnen des Nordbahnviertels geben?
Haben Sie dazu Ideen?

Ja! Statt einer von oben vorgegebenen Mitbestimmung, deren Rahmenbedingungen mehr oder weniger einschränken, fordern wir die Selbstbestimmung der dort Wohnenden und der AnrainerInnen. Nur dann haben kreative Ideen, die die tatsächlichen Bedürfnisse der Bevölkerung darstellen, weil sie eben von diesen selbst kommen, die Chance auf Verwirklichung. Im Nordbahnviertel haben wir die einmalige Chance, den Stadtteil der Zukunft zu gestalten, das Menschen aus anderen Städten als Vorbild dienen kann, so wie vor einem Jahrhundert das „Rote Wien“.

2. Ist es Ihnen wichtig, dass das Leitbild, so wie es im Beteiligungsverfahren erarbeitet
wurde, umgesetzt wird?

Dieses Leitbild ist ein absolutes Minimum (Freie Mitte, keine Durchlässigkeit für Kfz), läßt aber leider noch viel offen: Anteil des sozialen Wohnbaus, Reduktion der Kfz-Stellplätze, Straßenbahn-Anbindung und Gestaltung der Freiräume. Für die weitere Gestaltung aller dieser Aspekte ist es wichtig, dass ein gemeinschaftlicher Gestaltungsprozess mit breiter Beteiligung aus den bereits bestehenden Initiativen in der Bevölkerung in Gang gesetzt wird, anstatt von Wettbewerben, wo diejenigen mit Fach-Know-How oder guten Verbindungen gewinnen, während alle anderen verlieren.

3. Was fehlt für Sie im Nordbahnviertel und sollte unbedingt umgesetzt werden?

Es fehlen überdachte Freiräume für die Freizeitgestaltung – dafür könnten die beiden Campusse abends und am Wochenende zur Verfügung gestellt werden. Ein Gesundheitszentrum und ein (im Winter überdachtes) Schwimmbad sind auch unbedingt notwendig für ein Stadtviertel mit 20.000 Einwohnern, sowie gute Öffi-Anbindungen, die das Viertel in mehr als eine Richtung anbinden (konkret: O-Verlängerung zum Friedrichs-Engels-Platz und 11er statt 11A).

4. Ist es Ihnen wichtig, dass die Gesamtfläche der Freien Mitte in der Größe & Qualität
dem Leitbild entspricht und für die Öffentlichkeit benutzbar ist?

Ja! Sie sollte allerdings naturbelassen bleiben, anstatt für künstliche Landschaftsplanung Geld zu verpulvern. Die tatsächliche Nutzung entwickelt sich in der Folge organisch aus den Bedürfnissen der Bevölkerung. Diese selbstbestimmte Gestaltung soll unterstützt und auch finanziert werden, aus den Mitteln, die die MA42 für einen Park ausgeben würde.

5. Mit der Bruno-Marek-Allee bekommt die Leopoldstadt eine neue Geschäftsstraße.
Welche Ideen haben Sie damit hier eine erfolgreiche Geschäftsstraße entsteht? Welche
Rolle spielt dabei fürSie die Gestaltung der Straße?

Ein funktionierendes Stadtviertel erlaubt es den BewohnerInnen, die Dinge des Alltagsbedarfs einzukaufen, damit es keine Schlafstadt wird. Dies ist im Nordbahnviertel derzeit nur  eingeschränkt möglich.
Die Geschäftsmieten müssen niedrig angesetzt, damit sich statt internationalen Ketten wie im Bank-Austria-Campus (45€/m²), Familienbetriebe bzw. Kleingewerbetreibende ansiedeln können, die den Bedarf im Viertel besser erkennen können und ihren Angestellten noch Gehälter bezahlen können, von denen sie gut leben können, ohne Mindestsicherung oder Wohnbauhilfe beziehen zu müssen.
Für die Verkehrssicherheit ist es optimal, wenn hier nur die Straßenbahn und Kfz-Lieferverkehr in den frühen Morgenstunden fährt, damit auch Kleinkinder gefahrlos herumlaufen, sowie radfahrende Kinder und Ältere sich sorglos bewegen können. Stationen mit e-Lastenrädern wie in der Seestadt können den restlichen Bedarf gut abdecken.

6. Dem Viertel fehlt ein Grätzl/Kulturzentrum mit Veranstaltungsräumen. Welche Ideen
haben Sie dazu?

Ein selbstverwaltetes Kulturzentrum ist unbedingt notwendig, dafür bieten sich sowohl das (zu renovierende) Fahrdienstleitungshäuschen als auch der Wasserturm an. Beide haben ein Veranstaltungsgelände rundherum. Das Fahrdienstleitungshäuschen am Bahndamm könnte mit den angrenzenden Tunneln und da es weiter von den Wohnhäusern entfernt ist, gut von der Jugend für Konzerte genutzt werden und um sich hier einen eigenen Freiraum zu schaffen.

7. Für wie wichtig halten Siees, dass in den neu errichteten Gebäuden und im
Straßenraum ausreichend geeignete Abstellplätze für nachhaltige Verkehrsmittel
(Fahrräder, Lastenfahrräder, E-Fahrzeuge, Fahrradanhänger, etc.) errichtet werden?

Die Leopoldstadt ist schon sehr stark von Verkehr belastet. Wenn die Neubaugebiete wieder für den Kfz-Verkehr optimiert werden während alle anderen Verkehrsarten diskriminiert werden, wird es dort zu einem Verkehrskollaps kommen. Kfz-Stellplätzen soll es an der Oberfläche nur für Lieferungen/BesucherInnen geben. Dadurch werden die Autos in die derzeit fast leeren riesigen Tiefgaragen im Viertel gelenkt. In den Neubauten soll es möglich sein, das Fahrrad direkt vor dem Hauseingang abzustellen, wobei Anhänger/(E-)Lastenräder und genug Platz für BesucherInnen auch berücksichtigt werden müssen. Durch eine starke Reduktion der zu bauenden Kfz-Stellplätze (auf 10%, nur für geteilte Kfz) können auch die Mieten stark vergünstigt werden. Durch die Verhinderung von privaten Kfz für die neu einziehenden BewohnerInnen wird auch die Nachfrage gesenkt, sodass die überheizten Wohnpreise im Viertel sinken.

Abstellplätze für ein E-Lastenrad-Leihsystem wie in der Seestadt gibt es idealerweise an jeder Straßenecke.

8. Beim Gertrude-Sandner-Campus werden ca. 20% der Kinder mit dem Auto gebracht.
Ein Schlüssel, der für den neuen Campus mit 1800 Schüler_innen eine hohe
Verkehrsbelastung für das Grätzel darstellen würde. Werden Sie sich dafür einsetzen,
dass möglichst wenige Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden?

Für jedes Kind im Viertel muss es möglich sein, sorglos und gefahrlos in die Schule zu gelangen (Straßenverkehr und Beförderung im Auto sind die Haupttodesursache im Schulalter). Die für jede Schule existierenden Schulwegpläne zeigen bereits die Gefahrenstellen, die dafür eliminiert werden müssen. Daher muss das Gelände rund um die Schule baulich beschränkt autofrei sein, abgesehen von Fahrtendiensten für Kinder im Rollstuhl. Die Verkehrsplanung im restlichen Viertel muss so konzipiert sein, dass die Benutzung des Kfz im Viertel nicht möglich ist, ohne außenherum zu fahren, siehe unser Konzept Grätzlblock: http://wienanders.at/team/bezirke/wien02/graetzlblock/

9. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie O zum Friedrich-Engelsplatz ist für das
Viertel von hoher Bedeutung. Unsere letzte Information ist, dass hier noch keine
konkreten Planungen vorliegen. Werden Sie Maßnahmen setzen damit das Projekt
rasch umgesetzt wird?

Wir werden die Verlängerung der Straßenbahnlinie O zum Friedrich-Engelsplatz, sowie andere Ausbauten der öffentlichen Verkehrsmittel in der Bezirksvertretung beantragen und hoffen, mit den anderen Fraktionen dafür eine Mehrheit zu finden. Die komplette Verlängerung des O-Wagens darf nicht länger verzögert werden!

10. Im Nordbahnviertel ist gerade der Austria Campus in Bau. Dieser großvolumige
Baukomplex bildet eine wichtige Verbindung zwischen dem Nordbahnviertelund dem
Knoten Praterstern. Welche Maßnahmen in Bezug auf die Durchwegung sowie
Nutzungsmischung sollten Ihrer Meinung nach dort gesetzt werden, damit die
BewohnerInnen davon profitieren können.

Dieser Komplex darf nur für Fuß- und Radverkehr durchlässig sein, damit nicht wieder Schleichwege für Autofahrer entstehen. Die Durchwegung muß außerdem öffentlicher Raum bleiben, damit nicht wie beim Viertel Zwei in der Krieau die privaten Betreiber willkürliche Verbote aufstellen und die Durchwegung jederzeit widerrufen können.
Eine vernünftige Nutzungsmischung ist aufgrund der hohen Mieten (45€/m²) dort nicht mehr möglich, schließlich müssen die Profite der Bank und des Immobilienentwicklers Benko, der beim Verkauf ca. 60 Millionen € verdient bezahlt werden.
Eine Warnung, wie das Neubauviertel aussehen wird, wenn die Bevölkerung bei der Planung nicht mitreden kann!
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Ein Gedanke zu “10 Antworten von WienAndas

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