10 Antworten der Grünen Leopoldstadt

Antworten auf Fragen der IG Lebenswerter Nordbahnhof, Aug. 2016 durch Bezirksvorsteherstellvertreterin Uschi Lichtenegger

1. Die Bürgerbeteiligung 2013-2014 war ein großer Erfolg: Soll es Ihrer Meinung nach weitere Beteiligungsmöglichkeiten für BewohnerInnen des Nordbahnviertels geben? Haben Sie dazu Ideen?

Ja unbedingt. Das vom Stadtplanungsressort initiierte Bürgerbeteiligungsverfahren am Nordbahnhof (NBH) war beispielhaft. Wie erfolgreich, wird sich in der Umsetzung des letzten Teiles zeigen:

Wie gestalten wir die Freie Mitte? Auch hier gilt, Beteiligung der BürgerInnen hebt die Akzeptanz der Neugestaltung. Ich würde eine naturnahe Gestaltung im Sinne des Leitbildes und unter der MA 49 bevorzugen. Weiters wird es wichtig sein, dass die BürgerInnen bei der Straßenraumgestaltung der der Organisation des öffentlichen Verkehrs eingebunden werden: Stichwort Verlängerung der Straßenbahn bis Friedrich-Engels-Platz (Schnellbahn, U6).

Ein NBH-Beirat mit einer NBH-BewohnerIn soll in der letzten Entwicklungs-Phase die Interessen der BewohnerInnen vertreten. Wir Grünen fordern eine rasche Bekanntgabe des NBH-Beirates. Dieser Beirat soll Empfehlungen zur Qualitätskontrolle abgeben und zur Qualitätskontrolle dienen. Das Grätzel soll schließlich eine hohe städtebauliche Qualität aufweisen.

2. Ist es Ihnen wichtig, dass das Leitbild, so wie es im Beteiligungsverfahren erarbeitet wurde, umgesetzt wird?

Ich finde, das ist unumgänglich, sonst verliert die Politik Akzeptanz. Dieses Leitbild trägt die grüne Handschrift und wurde von dem überwiegenden Teil der bereits jetzt schon vor Ort wohnenden Menschen mitentwickelt. Somit ist es wichtig, dass das Leitbild wie erarbeitet und veröffentlicht umgesetzt wird.

Besonders wichtig (aber nicht nur) finde ich die Verbindung des Randes mit den benachbarten Stadtvierteln und die entsprechenden Übergangsräume – diese sind unverzichtbarer Teil des Leitbildes. Die BewohnerInnen der jeweiligen Grätzel sollen direkt in die Freie Mitte gelangen. Das trifft besonders auf den Übergangsbereich an der Innstraße zum 20. Bezirk zu: Es widerspricht dem Leitbild ausgerechnet hier einen großen Mistplatz zu planen!

3. Was fehlt für Sie im Nordbahnviertel und sollte unbedingt umgesetzt werden?

Um zu verhindern, dass in der Baustellenphase charakteristische Teile der Topologie bzw. Pflanzen- und Tierwelt zerstört wird, soll die Landschaftsplanung vorgezogen und ins Baustellenmanagement einbezogen werden.

Es fehlt weiters eine rasche Entscheidung zum Wasserturm! Wie angekündigt soll der Wasserturm in der Baustellenphase ein Informationszentrum werden, er könnte zeitparallel schon in Richtung Stadtteilzentrum entwickelt werden. Gemeinschaftsbildende kulturelle und soziale Angebote können hier stattfinden. Auch hier sind die BewohnerInnen des NBHs einzubeziehen.

Es soll rasch die Sanierung und Öffnung der Eisenbahnbrücke geklärt werden.

Mehr Freizeiteinrichtungen von 0 bis 99 Jahre! Weitere Anliegen, die noch an den Nordbahnhof gehören, werden in anderen Punkten beantwortet.

4. Ist es Ihnen wichtig, dass die Gesamtfläche der Freien Mitte in der Größe & Qualität dem Leitbild entspricht und für die Öffentlichkeit benutzbar ist?

Ja, wie schon oben ausgeführt. Außerdem wäre eine Präsentation des aktuellen Standes im Prozess der Landschaftsplanung angebracht. Welche Magistratsabteilung übernimmt die Verantwortung und auch das Budget für die Freie Mitte? Da muss endlich eine Entscheidung getroffen werden. Es hat Überlegungen gegeben, die ca 1 ha große Wildnis im NO in der Freien Mitte unzugänglich zu erhalten mit Beobachtungsplattformen – siehe auch Broschüre FREIE MITTE, Studio Vlay, S 122ff. Aus meiner Sicht sollten einige Ideen aus der Broschüre überhaupt umgesetzt werden, wie die Durchgänge, Dachterrassen ect.

5. Mit der Bruno-Marek-Allee bekommt die Leopoldstadt eine neue Geschäftsstraße. Welche Ideen haben Sie damit hier eine erfolgreiche Geschäftsstraße entsteht? Welche Rolle spielt dabei für Sie die Gestaltung der Straße?

Die Bebauungsbestimmungen in den Erdgeschoßzonen wurden so gestaltet, dass eine echte, urbane Einkaufsstraße entstehen kann. Die Gestaltung der Straße ist mitentscheidend, ob die Straße als Geschäftsstraße angenommen wird.

Darüber hinaus braucht es ein Management für die Straße, damit auch verschiedene Angebote entstehen und gedeihen können. Dazu gehört auch, dass die kleineren UnternehmerInnen auch vernünftig gefördert werden. Mit ausgewählter Gastronomie und hochwertiger Straßenmöblierung, die Bruno-Marek-Allee soll zum Flanieren einladen. Es sollen aber auch Ärztezentren und andere infrastrukturelle Einrichtungen geplant werden, um damit auch den Straßenraum zu beleben.

Sanfte Mobilität! Die Bruno-Marek-Allee muss eine menschenverträgliche Straße werden, d.h. barrierefrei, frei von Dauerparkern v.a. für FußgängerInnen maximal durchlässig ausgestaltet sein. Eine Fahrspur pro Richtung ist ausreichend, dazu muss es von Anfang an ausreichend dimensionierte Radverkehrsanlagen geben. Schon jetzt ist der Autoverkehr am Nordbahnhof mit 15 % sehr gering, absoluter Vorrang also für FußgängerInnen, Rad FahrerInnen und Öffi-NutzerInnen.

Es ist sehr sinnvoll, die Gleise der verlängerten Straßenbahnlinie O als niveaugleiche Rasengleise anzulegen. Davon würde das Kleinklima in der Straße profitieren, eine wichtige Maßnahme gegen die Hitze im Sommer. Rasengleise erhöhen die Wohnqualität. Einen entsprechenden Antrag haben wir Grünen bereits 2014 gestellt.

Eine Platzgestaltung im Bereich des im Wettbewerb angegebenen „Bank-Austria“ Platzes wäre belebend für die Straße und würde in der sehr langen Allee für einen städtebaulichen Akzent setzen. Nutzungen in der Nacht wären gerade in diesem reinen Bürogebiet sehr sinnvoll.

6. Dem Viertel fehlt ein Grätzl/Kulturzentrum mit Veranstaltungsräumen. Welche Ideen haben Sie dazu?

Identitätsstiftendes Landmark ist der Wasserturm. – Kreativität und Nutzungsoffenheit soll möglich sein. Während der Baustellenzeit ein Infozentrum, später ein selbstverwaltetes Stadtteilzentrum. Er darf nicht kommerzialisiert oder sein Potenzial nicht wegverwaltet werden! Hinzukommen könnte ein neues Gebäude mit Veranstaltungsräumen für vielfältige Nutzung. In den Erdgeschoßzonen der angrenzenden Gebäude sollen kreative und gastronomische Nutzungen Platz finden. Entlang der Parkpromenade Leystraße wird dadurch ein lebendiges urbanes Klima und ein nach außen erweitertes Wasserturm-Erlebnis entstehen. Kultur soll sich auch im öffentlichen Raum über den Stadtteil spannen und genauso wie das Grünnetz mit den Nachbarn verbinden. Räume im neuen Schulcampus sollen auch der Kultur offen stehen. Wir regen eine Einladung der Bezirks-Kulturkommission an, Projekte zu fördern, die den Nordbahnhof kulturell stärker in die Leopoldstadt einbinden. Kunst und Kultur auch am Nordbahnhof sollte uns mehr wert sein, daher soll auch ein größerer Fördertopf vorgesehen werden.

7. Für wie wichtig halten Sie es, dass in den neu errichteten Gebäuden und im Straßenraum ausreichend geeignete Abstellplätze für nachhaltige Verkehrsmittel (Fahrräder, Lastenfahrräder, E-Fahrzeuge, Fahrradanhänger, etc.) errichtet werden?

Sehr wichtig, sanfte Mobilität in neuen Stadtvierteln hebt die Lebensqualität ganz besonders. Daher muss auch die nötige Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Abstellplätze sind ein Schlüsselfaktor für den Gebrauch dieser nachhaltigen Verkehrsmittel. Bei ihrer Anordnung soll auf langjährige Erfahrungen und Forderungen zurückgegriffen werden. Die Abstellanlagen müssen in regelmäßigen Abständen im Straßenraum geplant werden, sie dürfen nicht auf Hinterseiten verdrängt werden und ihrerseits nicht wertvolle Erdgeschoßlokale verdrängen. Dies gilt besonders für die Bruno-Marek-Allee. Der neue Nordbahnhof ist ideal für das Verkehrsmittel Fahrrad, in allen seinen Varianten. Die Wege sind relativ kurz und es gibt keinen Durchzugs-Autoverkehr. Von kurzen Wegen im Viertel profitiert auch die kleinteilige, lokale Wirtschaft, weil die KundInnen mit dem Rad eher in der Nähe einkaufen als mit einem Auto.

Auch zum Erreichen der Naherholungsgebiete Donauufer, Prater und Freie Mitte bietet sich das Fahrrad als ideales Verkehrsmittel an.
Schließlich soll und wird es auch zu einer Verdichtung des Stationennetzes der
Citybikes am Nordbahnhof geben, für jene, die nur sporadisch ein Fahrrad nutzen wollen.

8. Beim Gertrude-Sandner-Campus werden ca. 20% der Kinder mit dem Auto gebracht. Ein Schlüssel, der für den neuen Campus mit 1800 SchülerInnen eine hohe Verkehrsbelastung für das Grätzel darstellen würde. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass möglichst wenige Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden?

Ja, natürlich, unbedingt!

Wenn Kinder frühzeitig alleine ihren Schulweg zu Fuß gehen lernen, dann ist das für sie ein wichtiger Entwicklungsschritt. Außerdem ist es auch viel sicherer für sie, weil sie rechtzeitig Kompetenzen im Straßenverkehr erwerben, die sie später zu sichereren VerkehrsteilnehmerInnen machen. Sanfte Mobilität ist auch hier ein Schlüssel. Bereits im Kindergarten muss hier mit der Aufklärung begonnen werden. Es liegt auch an den Schulbehörden und den PolitikerInnen, den Eltern die Angst zu nehmen. – Je weniger Autoverkehr ins Nordbahnhof-Viertel kommt, desto weniger Angst müssen die Eltern haben und desto weniger Grund gibt es für sie, ihre Kinder mit dem Auto in die Schule zu bringen – und damit wieder andere Schulkinder zu gefährden. In einem ersten Schritt kann es auch Sinn machen, die Zufahrtsstraßen zum Schulcampus temporär (bei Schulbeginn) zu sperren und Park and Kiss-Parkplätze in einiger Entfernung vom Campus einzurichten. Weiters braucht es auch gut angebundene öffentliche Verkehrsmittel. Eltern sollen beim Erstgespräch mit der Schulleitung bereits informiert und Material für den Schulweg zu Fuß ausgehändigt bekommen. Einsatz von Polizei und SchülerInnenlotsen, Workshops usw – ein Rundumpaket für den sicheren Schulweg ohne Auto für die Kids.

9. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie O zum Friedrich-Engelsplatz ist für das Viertel von hoher Bedeutung. Unsere letzte Information ist, dass hier noch keine konkreten Planungen vorliegen. Werden Sie Maßnahmen setzen damit das Projekt rasch umgesetzt wird?

Die MA18 hat aktuell bereits einen Analyseauftrag vergeben, in dem die Netzwirkung der diversen in Diskussion stehenden Straßenbahnlinien (O, 2 und 5, 36) im Umfeld des Nordbahnhofs untersucht wird. Dies wurde auch im Öffi-Paket der Stadt Wien von 2014 beschlossen (http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140627_OTS0029). Vom Ausgang dieser Analyse wird die weitere Vorgangsweise abhängen, aber es ist zu vermuten, dass die MA18 dann ein neues generelles Projekt planen wird.

Wobei wir hoffen, dass die Stadträtin Sima ihre Weisungskompetenz gegenüber den Wiener Linien einsetzt, damit die Straßenbahn rasch in Angriff genommen werden kann.

Bis 2015 scheiterten sämtliche Versuche zur Umsetzung am Veto des 20. Bezirks, welcher um Parkplätze in der Engerthstraße fürchtete… Im Zuge des Wahlkampfs 2015 erklärten die Bezirksvorsteher des 2. und 20. Bezirks in einer Presseaussendung, dass diese Bedenken ausgeräumt werden konnten und der Verlängerung nun nichts mehr im Wege steht.

10. Im Nordbahnviertel ist gerade der Austria Campus in Bau. Dieser großvolumige Baukomplex bildet eine wichtige Verbindung zwischen dem Nordbahnviertel und dem Knoten Praterstern. Welche Maßnahmen in Bezug auf die Durchwegung sowie Nutzungsmischung sollten Ihrer Meinung nach dort gesetzt werden, damit die BewohnerInnen davon profitieren können.

Durch Verzicht auf den im Wettbewerb hervorgehobenen „Bank-Austria-Platz“ ( Ecke Jakov-Lind-Strasse) fehlt die „attraktive Mitte“ des Campus, die nach innen und außen wirken sollte. (Forderung, dass diese Mitte noch geschaffen wird.) Dadurch wird die Länge der Bruno Marek Allee problematisch und wenig einladend.

Veranstaltungsräume und Lokale, die auch nachts von wechselndem Publikum besucht werden, wären dort eine Bereicherung, wenn sie auch die Nordbahnhof-BewohnerInnen ansprechen und für sichere öffentliche Situationen sorgen.
Der bahnparallele Begleitweg soll für Fuß- und Radverkehr attraktiv sein, er führt von der Innstraße bis zum Praterstern. Die Gestaltung soll Angsträume vermeiden und mit Beleuchtung und Bepflanzung soll der Begleitweg für die neuen Bewohnerinnen eine gern genommene Variante zur Bruno-Marek-Allee werden.

Gerade die Großvolumigkeit und das Nutzungskonzept, an dieser exponierten Stelle am Nordbahnhof, waren ja mit ein Grund, warum die Grünen in der Leopoldstadt der Flächenwidmung zum Austria Campus-Komplex keine Zustimmung erteilen konnten.

Zusammenfassend, das Nordbahnviertel soll ein lebendiger und nachhaltiger Stadtteil werden, mit unterschiedlichen Nutzungen und lebenswert für die BewohnerInnen. Dafür braucht es eine smarte Stadtentwicklung:

  • Die Erweiterung des Nordbahnhofgeländes wird einen guten Mix aus Lebens-, Arbeits- und Wohnraum bieten und keine Schlafstadt werden.

  • Das Grätzel wird eine hohe städtebauliche Qualität aufweisen.

  • Die soziale Durschmischung wird dadurch erreicht, dass zwei Drittel der Wohnungen gefördert errichtet werden.

  • Ein übergreifendes Mobilitätskonzept für das ganze Gebiet wird für gute Erreichbarkeit sorgen.

  • BürgerInnen gestalten von Anfang an mit.

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