10 Antworten der ÖVP Leopoldstadt

Beantwortung durch die ÖVP Leopoldstadt ( Dipl.- Ing. Wolfgang W.
Wasserburger, Kandidat zum Bezirksrat )
1. Die Bürgerbeteiligung 2013-2014 war ein großer Erfolg: Soll es Ihrer Meinung nach
weitere Beteiligungsmöglichkeiten für Bewohner und Bewohnerinnen des Nordbahnviertels
geben? Haben Sie dazu Ideen?

ÖVP Leopoldstadt: Die erfolgreiche Bürgerbeteiligung sollte unbedingt in Bewohnerbeiräte übergeführt werden, die neben der Vertretung der Mieter, Genossenschafter
und Miteigentümer vor allem ein eigenständiges gesellschaftliches und kulturelles
Leben aufbauen. Darüber hinaus sind Beteiligungsverfahren für einzelne Bauvorhaben möglich. Auch Aufgaben im Bereich der Freien Mitte können von Bürgervereinigungen übernommen werden.

2. Ist es Ihnen wichtig, dass das Leitbild, so wie es im Beteiligungsverfahren erarbeitet
wurde, umgesetzt wird?

ÖVP Leopoldstadt: Leitbilder fungieren grundsätzlich als Ideensammlung für die
nachfolgenden Planungen, in Wien z. B. dem Flächenwidmungs- und Bebauungsplan. Erst in diesem wird eine Rechtsverbindlichkeit festgelegt, die es einzuhalten gilt.
Bei der Erstellung dieses Planwerks können noch zusätzliche technische Kriterien ein
Abweichen vom Leitbild möglich machen. Auch bei der Erstellung der Einzelprojekte
kann die Abweichung von Leitbildern notwendig sein oder aber auch erst zusätzliche
Möglichkeiten eröffnen. Die ÖVP tritt daher für eine flexible Auslegung von Leitbildern
ein, die jedoch keinesfalls das Gesamtkonzept konterkarieren darf.

3. Was fehlt für Sie im Nordbahnviertel und sollte unbedingt umgesetzt werden?

ÖVP Leopoldstadt: Der gesamte Bereich des ehemaligen Nordbahnhofes ist eine
große städtebauliche Chance für die Leopoldstadt und die größte innere Stadterweiterung seit der Errichtung der Ringstraße. Im Wesentlichen werden aber nur rasterförmige Häuserblöcke mit durchschnittlicher architektonischer Qualität aneinandergereiht. Die bisherigen Bauten unterscheiden das Viertel nicht von anderen Neubaugebieten in irgendeiner Großstadt Europas. Auch soziale und gesellschaftliche
Einrichtungen halten sich sehr in Grenzen. Daneben ist die Öffi-Anbindung an der
Peripherie zwar sehr gut, im Viertel selbst jedoch vollkommen ungenügend.

4. Ist es Ihnen wichtig, dass die Gesamtfläche der Freien Mitte in der Größe & Qualität dem
Leitbild entspricht und für die Öffentlichkeit benutzbar ist?

ÖVP Leopoldstadt: Der zweite Bezirk ist für seine vielfältigen Grünräume bekannt.
Diese machen unseren stadtnahen Bezirk besonders lebenswert. Dies soll auch bei
künftigen Bebauungen beibehalten werden. Größe und Qualität der Freien Mitte sind
im Leitbild nur überblicksmässig angeführt. Ein entsprechendes Detailkonzept wird
konkrete Maßnahmen definieren. Auch hier setzen wir und dafür ein, daß dies flexibel
vom Leitbild abweichen kann ohne die ungefähre Größe und Qualität zu
unterschreiten. Ein öffentlicher Zugang wird von uns ebenso gefordert.

5. Mit der Bruno-Marek-Allee bekommt die Leopoldstadt eine neue Geschäftsstraße. Welche Ideen haben Sie damit hier eine erfolgreiche Geschäftsstraße entsteht? Welche Rolle spielt dabei für Sie die Gestaltung der Straße?

ÖVP Leopoldstadt: International gibt es wenige Beispiele für die Etablierung neuer
funktionierender Einkaufsstraßen. Zumeist werden in solchen Straßen hauptsächlich
Filialen internationaler Ketten angesiedelt, die einen vollkommen austauschbaren
Branchenmix mit Fachmarktzentren und anderen Einkaufstrassen erzeugen. Kurzfristige Rentabilitätsbetrachtungen, die in weit entfernten Konzernzentralen getroffen
werden, steuern dabei die Veränderung ohne Einflußmöglichkeiten durch die Nutzer
oder Planungsstellen. Für eine erfolgreiche Einkaufsstraßenentwicklung wird ein
effizientes Einkaufsstrassenmanagement und die Reservierung von Standorten für
mittelständische Betriebe bzw. ausgewählte Branchen mit vertretbaren Mieten
notwendig sein.
Die Gestaltung der Straße selbst muß dabei auf eine hohe Frequenz an potentiellen
Käufern ausgelegt sein. Wichtig ist, daß diese auch von Passanten frequentiert wird,
die nicht nur zum Kaufen kommen. Je nach zugelassenem Modal Split und Einzelflächengröße werden sich auch die Branchen ausrichten. Breite Gehsteige (eventuell
mit Schanigärten) sind dabei ebenso von Vorteil wie die Erreichbarkeit mit allen
möglichen Verkehrsmitteln. Aus Sicht der Einkaufsstraße wäre eine direkte Zufahrtsmöglichkeit aus dem Norden des Gebietes mit PKW selbstverständlich anzustreben, die wohl aus anderen Gründen eher ausgeschlossen wird.

6. Dem Viertel fehlt ein Grätzel/Kulturzentrum mit Veranstaltungsräumen. Welche Ideen
haben Sie dazu?

ÖVP Leopoldstadt: Prinzipiell ist Wien sehr arm an Veranstaltungsräumen mit einer
Kapazität zwischen 150 und 500 Besuchern. Die meisten Kleinstädte haben zumindest einen, oft mehrere Säle in dieser Größenordnung. Insbesondere für Vereine aller
Art ist es sehr schwierig in Wien kostengünstige Locations zu bekommen, dabei
tragen gerade diese zu einem reichhaltigen Gesellschafts- und Kulturleben bei. Die
ÖVP Leopoldstadt setzt sich daher ausdrücklich für die Errichtung von Veranstaltungsräumen aller Art ein. Entsprechende Räumlichkeiten können dabei von der
Stadt von vereinsrechtlich organisierten Trägern oder in PPP-Modellen umgesetzt
werden. Insbesondere bei geschickter räumlicher Zuordnung können solche Säle die
Funktion der angestrebten Einkaufsstraße stärken. Die zusätzliche Anordnung
kleinerer ständiger Vereinsräumlichkeiten für unterschiedliche Zwecke kann die
Entwicklung eines eigenständigen Gesellschaftslebens ebenso fördern.

7. Für wie wichtig halten Sie es, dass in den neu errichteten Gebäuden und im Straßenraum
ausreichend geeignete Abstellplätze für nachhaltige Verkehrsmittel (Fahrräder,
Lastenfahrräder, E-Fahrzeuge, Fahrradanhänger, etc.) errichtet werden?

ÖVP Leopoldstadt: Prinzipiell setzen wir uns für eine Wahlfreiheit bei der Verkehrsmittelwahl ein, wobei die Nutzung nachhaltiger bzw. öffentlicher Verkehrsmittel
attraktiv sein sollte ohne Autofahrern nur das Leben schwer zu machen. Eine große
Chance für die Zukunft des Stadtverkehrs sind dabei Elektrofahrzeuge. Die ÖVP setzt
sich für eine ausreichende Anzahl an Ladestationen ein. Leider ist die Stadtregierung
in diesem Bereich besonders säumig.

8. Beim Gertrude-Sandner-Campus werden ca. 20% der Kinder mit dem Auto gebracht. Ein Schlüssel, der für den neuen Campus mit 1800 Schüler und Schülerinnen eine hohe
Verkehrsbelastung für das Grätzel darstellen würde. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass
möglichst wenige Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden?

ÖVP Leopoldstadt: Grundsätzlich sollten vor allem Volksschulen so gelegen sein,
daß sie von einem Großteil der Schüler und Schülerinnen fußläufig erreicht werden
können. Gerade Schulcampusanlagen tendieren aufgrund ihrer Größe und des
höheren Freiraumangebotes dazu Eltern aus einem größeren Einzugsbereich anzuziehen. Besonders Kinder mit einem längeren Schulweg werden dabei häufig mit dem
PKW zur Schule gebracht, insbesondere, wenn sich dies mit dem Arbeitsweg und
den Arbeitszeiten gut vereinbaren läßt. Das wird nur schwer zu verhindern sein. Kissand-Ride-Zonen, die nicht unmittelbar bei der Schule angeordnet sind, können dabei
auch solchen Kindern das Erlebnis des gemeinsamen Schulwegs bieten und den
Bereich unmittelbar rund um die Schule sicherer machen. Eine gute ÖV-Anbindung
kann den Modal Split ebenfalls verbessern. Hierbei ist zu beachten, daß von Eltern
Straßenbahnen meist als sicherer angesehen werden als Busse. Die ÖVP Leopoldstadt setzt sich deshalb auch für eine geänderte Führung der O-Wagen-Verlängerung
über den Fröhlich-Sandner-Campus ein.

9. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie O zum Friedrich-Engelsplatz ist für das Viertel von hoher Bedeutung. Unsere letzte Information ist, dass hier noch keine konkreten Planungen vorliegen. Werden Sie Maßnahmen setzen damit das Projekt rasch umgesetzt wird?
ÖVP Leopoldstadt: Bereits seit längerer Zeit betonen wir, daß eine frühzeitige
Erschliessung von Neubaugebieten mit leistungsfähigen Verkehrsmitteln eine
unabdingbare Voraussetzung für eine sinnvolle Entwicklung des Modal Split ist. Die
Autobuslinie 82A kann hier wohl nicht einmal als temporärer Ersatz angesehen
werden. Die Verlängerung der Linie O sollte eigentlich längst in die Tat umgesetzt
werden, wobei die vom Rathaus vorgesehene Linienführung nur wenigen Bewohnern
des Nordbahnhofgeländes tatsächlich eine neue Verbindung bringt. Die ÖVP
Leopoldstadt tritt daher für eine Führung der Linie O direkt ab dem Praterstern durch
die Walcherstraße oder Ernst-Melchiorgasse und entlang des Fröhlich-SandnerCampus ein. Damit kann deutlich mehr Einwohnern eine neue leistungsfähige
Verkehrsverbindung angeboten werden.

10. Im Nordbahnviertel ist gerade der Austria Campus in Bau. Dieser großvolumige Baukomplex bildet eine wichtige Verbindung zwischen dem Nordbahnviertel und dem Knoten Praterstern. Welche Maßnahmen in Bezug auf die Durchwegung sowie Nutzungsmischung sollten
Ihrer Meinung nach dort gesetzt werden, damit die Bewohner und Bewohnerinnen davon
profitieren können.

ÖVP Leopoldstadt: Prinzipiell sehen die Planungen Durchgangsmöglichkeiten zum
Praterstern vor. Vermutlich wird jedoch der Büro-Anteil sehr hoch sein und dadurch
abends die Fußgängerfrequenz stark fallen, womit ein Sicherheitsproblem entstehen
könnte bzw. sich die Probleme rund um den Bahnhof Praterstern hierher ausdehnen
könnten. Vor allem Gastronomiezonen – soferne die Betriebe auch abends geöffnet
sind – können dabei verbessernd wirken.

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Ein Gedanke zu “10 Antworten der ÖVP Leopoldstadt

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