Bruno-Marek-Allee – eine lebendige Geschäftsstraße

Bei der 4. Nordbahnhofvorlesung haben wir erste Überlegungen zum Thema Nutzungsmischung angestellt. Darauf haben wir diesmal aufgebaut und unsere Forderungen wiederholt:

  • Die Nutzungsmischung darf nicht nur auf die Erdgeschosszone (EG-Zone) reduziert bleiben.
  • Dies sollte durch eine Mindesthöhe von 4,5 m für Erdgeschosse im gesamten Widmungsgebiet und eine Mindesthöhe von 3,5 m für das 1. und 2. Obergeschoss entlang der BMA sichergestellt werden.
  • Damit sich die Menschen gerne auf der Straße aufhalten braucht es eine attraktive Gestaltung des öffentlichen Raumes, der Unterführungen und der Kreuzungen.

Wichtiger Erfolg: Die EG-Geschoßhöhe wurde, nach unserer Stellungnahme, im Flächenwidmungsplan auf 4m, die Unterführung Krakauerstraße auf 6m erhöht.

In den Beiblättern der Widmung „Wohnallee mit Campus“ gibt es einen Bebauungsvorschlag für ein aktives Erdgeschoß.

aktives_EG_MA21
(c) Stadt Wien MA21

 

Was machen wir mit der Erdgeschoßzone? – Managen!

Ein wesentlicher Teil des Erfolges neuer Geschäftstraßen liegt im gemeinsamen Erdgeschoßzonenmanagment. Wie in Einkaufszentren gibt es eine zentrale Steuerung die für einen Branchenmix sorgt. Auch das Leerstandsrisiko wird dadurch minimiert.

In der aspern Die Seestadt Wiens  wird mit diesem Instrument bereits gearbeitet. Lukas Lang (Wien 3420 Aspern Development AG) erzählt aus seiner Erfahrung damit. Chancen und Hindernisse. In der Seestadt hat die Entwicklungsgesellschaft Wien 3420 Aspern Development AG gemeinsam mit der SES Spar European Shopping Centers eine joint-venture, die aspern Einkaufsstraßen GmbH gegründet, und in einem Teil der EG-Zonen die erste gemanagte Einkaufsstraße Österreichs errichtet.
Die Einkaufsstraße mietet zentral von den Bauträgern zu einem festgelegten Mietpreis an und vermietet an ihre Shoppartner weiter, für die sie auch ein gemeinsames Marketing übernimmt. Das sorgt für das Funktionieren der Nahversorgung und den richtigen Geschäftsmix von Anfang an. Der Vorteil für die Bauträger liegt in garantierten Mieteinnahmen ohne die Gefahr eines Leerstands. Die folgende Grafik skizziert die Vorgehensweise für die nächste Etappe im Seeparkquartier.

(c) Wien 3420 Aspern Development AG
(c) Wien 3420 Aspern Development AG

In den nicht gemanagten EG-Zonen können die Bauträger selbst vermieten. Für bestimmte Branchen gilt jedoch ein Gebietsschutz. Das führt natürlich auch zu Unverständnis, wenn ein Bauträger zb. eine Gastronutzung an der Hand hat, das Steuerungsteam aber sagt: „Tut uns leid, es gibt schon 3 Lokale, mehr verträgt die aktuelle Ausbaustufe nicht.“
Was auf den ersten Blick seltsam anmutet, macht am zweiten Blick aber Sinn. Denn in einem neuen Stadtteil sollen sich die Betriebe ergänzen und nicht kannibalisieren.
Einen Überblick bietet dieser Artikel in „Architektur Aktuell“. Einkaufsmanagment in Aspern.

Welche Geschäfte / Nutzungen brauchen wir?

Zum Abschluß der Vorlesung gab es ein Brainstorming. Peter Mlzoch (Gebietsbetreuung 2/20) leitete, routiniert wie immer, die Diskussion.
Wir wollten wissen, welche Lokale wünschen sich die Bewohner_innen? Zu Anfangs dachten wir, es kommen die gleichen Wünsche wie immer, aber Alle waren der Meinung, dass es zusätzlich innovative Konzepte braucht.

Peter Mlzoch berichtet von zahlreichen Anfragen für das Nordbahnviertel. So sucht z.b. der Essenlieferdienst Rita bringt´s einen großen Standort in der Leopoldstadt.
Die Bewohner_innen schlagen zb. ein Literatur Buffet vor. Kleine Spezialitätengeschäfte z.B. wie Veganista (Eisgeschäft). Eine Markterei, ein Kindergeschäft, Second Hand Laden, Papierhandlung (Schule!), Citybaumarkt, eine Food-Coop wird gewünscht.

Ein Co-Working Space wird vorgeschlagen z.B. mit Gastrokombination, Kulturelle Nutzungen (Galerie), Musik (Probe-)Räume, Konsumfreie Räume für Jugendliche, gebäudeübergreifende Gemeinschaftsräume.

Lukas Lang berichtet aus der Seestadt von den erfolgreichen Läden wie Cafe Leo,die Buchhandlung Seeseiten oder das Fahrrad Cafe United in Cycling

 

Aber auch die Klassiker fallen in der Diskussion. Eine Bar, Drogeriemarkt, Schuhgeschäft, Eisgeschäft, Tschibo, Edu-Geschäft, Schuster, Schneider, Bio-Putzerei, Bäckerei, Fleischhauer, Pizzeria, großzügige Schanigärten, eine Buchhandlung, eine Bücherei.

Wichtig ist der Übergang zum Austria Campus. Hier werden 10.000 Menschen arbeiten. Die sollen auch auf der BMA verweilen und die Straße beleben. Wie schwer das ist zeigt die Lassallestraße. Hier können Geschäfte wichtige Funktionen übernehmen. Ein schneller Mittagstisch, Bürobedarf etc.

Die Bruno-Marek-Allee braucht eine Idee, ein Motto.

Wie wärs mit „Do it yourself – DIY“? schlägt jemand vor. DIY hat hier eine Tradition. Wir Nordbahnviertler nehmen die Dinge gerne selber in die Hand. Baumscheiben, Gemeinschaftsgärten, Baumhäuser, Skaterpark etc.
Darauf sollte man aufbauen. Also z.b. eine DIY Straße. Kleine Handwerksbetriebe, „crafting“ ist wieder im Kommen. Ein Lokal das Craft beer anbietet, ein Happylab, einen Citybaumarkt etc.

Ein Grätzlzentrum mit Bücherei, Gebietsbetreuungsstandpunkt, Veranstaltungsraum, Musiknutzung – in Kombination mit dem Wasserturm? Das Ende der Bruno-Marek-Allee bietet sich an. Oder mittig bei der Schweidlgasse, ums Eck der Schule?

Und unser Schwimmbad! „Jetzt kumman de wida mit dem Schwimmbad daher!“

Ja, wir lassen nicht locker. Wir wollen das, wir brauchen das.

Die Bruno-Marek-Allee liegt genau auf einem Donaualtarm. Na besser kann es nicht passen. Oder vielleicht doch an der Nordbahnstraße, bei den Urbanen Terrassen, als Teil eines Sport & Wohnen Schwerpunktes?

Ihr seht, Möglichkeiten gibt es viele. Man muss nur Zugreifen. Und obwohl wir hier noch eine lange Entwicklungsphase vor uns haben, geht es rasant dahin. Die ersten Bauträger planen schon, 2017 soll Baubeginn sein. Der Druck Wohnungen zu bauen ist enorm. Man darf dabei aber die notwendigen Qualitäten der Nutzungsmischung nicht vergessen.

Das Nordbahnviertel braucht mehr als Wohnungen. Die Bruno-Marek-Allee ist als lebendige Geschäftsstraße ein Teil davon.

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2 Gedanken zu “Bruno-Marek-Allee – eine lebendige Geschäftsstraße

  1. Pingback: Bruno-Marek-Allee – Mehr als eine Straße! – Lebenswerter Nordbahnhof

  2. Pingback: Nahversorgung in Stadtquartieren – Lebenswerter Nordbahnhof

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