Mehr als Schule ?! Unsere Stellungnahme zum neuen Bildungscampus

Stellungnahme zum neuen Bildungscampus

Im Nordbahnviertel – Bruno Marek Allee

Wien, 24. Juni 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir – die Gruppe Lebenswerter Nordbahnhof und Bewohner*innen des Nordbahnviertels – übermitteln Ihnen hiermit unsere Stellungnahme zum neuen Bildungscampus und ersuchen um Berücksichtigung. Die Stellungnahme wurde im Rahmen der 6. Nordbahnhofvorlesung am 19. März 2015, unter Beteiligung von rund 60 Personen erarbeitet und enthält unsere Anliegen für die weiteren Planungen im Nordbahnviertel.

Einleitung

Die große Herausforderung beim Bildungscampus ist dessen Integration in den Stadtteil. Der Campus und die anschließende Bebauung an der Bruno-Marek-Allee haben ca. die gleiche Größe wie der Rudolf Bednar Park (ca. 200x200m). Ohne Durchwegung, Integration in das Viertel und Mehrfachnutzung der Infrastruktur würde der Campus einen großen geschlossenen Block und eine Blockade im Zentrum des Nordbahnviertels bilden.

Flächenvergleich Neuer Bildungscampus / Rudolf-Bednar-Park

campus-flaeche

Deswegen ist es wichtig, dass der Campus als Teil des Viertels gesehen wird und nicht als hinein gesetztes und nur nach innen orientiertes Element.

Durchwegung – offener Bildungscampus:

Schon in unserer Stellungnahme zur Flächenwidmung „Wohnallee mit Bildungscampus“ (PD 8109) haben wir einen öffentlichen Durchgang, im Sinne einer Stadt der kurzen Wege angeregt.

Eine Möglichkeit der Durchwegung bietet sich in der Verlängerung der Ernst-Melchior-Gasse entlang des Campus. (lt. Flächenwidmung Bebauung zum Teil ausgeschlossen) Dies kann eine sehr gute, fußläufige Verbindung zwischen zwei Campuseingängen an der Schweidlgasse und an der Taborstraße sein und eine Verbindung zur „Freien Mitten“

Ein Durchgang in der Verlängerung der Rabensburgerstraße ist ebenfalls sinnvoll.

Generell sollte der „Campus“ als Campusmodell á la „Altes AKH“ konzipiert werden. Alle Bereiche, außer Kindergarten, könnten für eine Durchwegung offen sein. Vor allem außerhalb der Schulzeiten.

Sehr gut finden wir den neuen Ansatz, dass Freiräume der Schule, prinzipiell für die Bevölkerung geöffnet sind und nur wenn sie von der Schule benutzt werden für diese exklusiv vorbehalten sind. Vorbild dafür kann der „Actin-Park“ einer Schule in Hirschstetten im 22. Bezirk sein.

Viele gute Ansätze findet man in den Unterlagen zum Projekt einfach-mehrfach“ der Stadt Wien. ( http://www.noe-familienland.at/uploads/formulare/user_upload/Jutta_Kleedorf_Schulfreiraeume_als_Quartiersinfrastruktur_zusammengefuegt.pdf )

Mehrfachnutzung:

Veranstaltungsraum / Grätzlzentrum:

Im Nordbahnviertel gibt es einen Mangel an kulturellen Räumlichkeiten. Deswegen begrüßen wir die geplante Musikschule sehr. Wichtig ist uns, dass ein Veranstaltungsraum der für die Bevölkerung nutzbar und zugänglich ist. Der aktuell einzige Raum dafür im Viertel ist im Wohnprojekt Wien. Dieser ist bereits ausgelastet.

Sehr viel Potenzial hat ein Grätzlzentrum, das sich verschiedene Institutionen teilen und für alle leistbar sein muss.

Man könnte z.b. eine städtische Bücherei mit dem Stadtteilmanagment der Gebietsbetreuung, einen Veranstaltungsraum, Kaffeehaus etc. kombinieren und einen Ort für die Bevölkerung schaffen, wo sie sich treffen, austauschen, informieren und bilden kann.

Ist dies innerhalb der Schule nicht möglich, dann bietet sich dafür die Bebauung an der Bruno-Marek-Allee an.

Wir wünschen uns die Möglichkeit einer Mitbenutzung der Schulräumlichkeiten, das wäre ein sehr großer Gewinn für das Nordbahnviertel.

Schwimmbad:

Ein großer Wunsch der BewohnerInnen ist ein Schwimmbad. Der Standort bietet sich dafür an. Der Einbau in die Schulstruktur ist sicher günstiger als der Neubau auf der grünen Wiese. Es bietet sich ein Becken in der Größenordnung des Beckens im Blindeninstitut 1020 Wien an. Eine gute Auslastung ist bei knapp 2000 Schülern und 20.000 Bewohnern, 9000 Arbeitsplätzen + 10.000 Bewohnern des Entwicklungsgebietes Nordwestbahnhof gewährleistet. Es ziehen vor allem junge, aktive Menschen in das Neubaugebiet. Der 2. Bezirk hat kein öffentliches Hallenbad und das Bad im 20. Bezirk ist bereits überlastet.

Das Bad könnte untertags dem Schulbetrieb vorbehalten sein und danach & Wochenende/Ferien für die Bevölkerung offen sein. Finanzierung und Betrieb könnten von Seite der Stadt Wien oder im Rahmen eines PPP-Modells erfolgen. Viele Institutionen von den Kindergärten bis zum Pflegewohnhaus Leopoldstadt können davon profitieren.

Erdgeschoßzone:

Das bereits bebaute Gebiet weist im Vergleich zur Leitbildplanung 1994 eine geringere Nutzungsmischung in der Erdgeschoßzone auf. Schon dort war zB. für die Leystraße eine durchgängige Geschäftsnutzung vorgesehen.
Die Leystraße wird als Verbindung zur „Freien Mitte“ sehr stark genutzt werden. Hier bietet es sich an, Teile des Erdgeschoßes mit einer Nutzung nach außen zu beleben, ebenso an der Taborstraße vis a vis der „Freien Mitte“.

Freiräume:

Dem Viertel fehlen städtische Plätze. Hier bieten sich es sich an 2 Schulvorplätze an der Taborstraße und an der Schweidlgasse zu schaffen. Diese Bereiche sind wichtige Zentren des Nordbahnviertels und sollten entsprechende Qualitäten aufweisen (z. B.: Treffpunkt, Markt, Austausch, sicherer Schulweg etc.).

Deswegen begrüßen wir die hier geplanten Fußgängerzonen. Wichtig ist uns die Qualität des öffentlichen Raumes. Öffentliche Verkehrsmittel (Bus & Bim) und Fußgängerzonen dürfen hier kein Widerspruch sein!

Negativbeispiel: Ernst-Melchior-Gasse vor dem bestehenden Campus Gertrude Fröhlich-Sandner. Gedacht als Fußgängerzone, ausgeführt als Straße – führt dies nicht nur zur gestalterischen Unkenntlichkeit (bzw. Farce), sondern infolge auch zu Sicherheitsproblemen mit durchfahrenden Autos etc..

Hier möchten wir vorschlagen, die Verbindungen der beiden Campusanlagen nach dem Vorbild der Franklinstraße 1210 Wien (Autofreie Allee) auszuführen.

Weiters regen wir die Belebung des öffentlichen Raumes an. Dies kann z.b. durch Gemeinschaftsgärten, Baumscheibenpatenschaften, Sitzmöglichkeiten etc. geschehen.

Verkehr:

Durch die Erweiterung des bestehenden Bildungsangebots auf rund 2000 Kinder plus zusätzlichem Campuspersonal ist ein gut durchdachtes Mobilitätskonzpet erforderlich.

Das aktuelle Mobilitätsverhalten am bestehenden Campus ist nicht zukunftsweisend (20% werden mit dem Auto gebracht, erhebliche Sicherheitsriskien für die Kinder).

Wichtig ist uns eine gute Geh- Rad- und Öffi- Verbindung mit den umliegenden Grätzln damit kurze, attraktive und sichere Wege für alle geschaffen werden.

Öffentlicher Verkehr

Für die Kinder aus benachbarten Stadtteilen und das Campus-Personal ist eine gute öffentliche Verkehrsanbindung zu dem Campus notwendig.

Wir freuen uns auf die Straßenbahn Linie O im Nordbahnviertel. Jedoch ist die Weiterführung Richtung Friedrich-Engelsplatz spätestens mit Eröffnung des Campus notwendig.

Für die Verbindung Richtung Innenstadt / Volkertviertel / Nordwestbahnhof ist eine neue Straßenbahn in der Taborstraße notwendig.

Weiters sollte die Buslinie82A mit einem kürzeren Takt als derzeit (15min) fahren.

Wohnstraßen:

Die umliegenden Straßen, Leystraße und Schweidlgasse (lt. Widmungsbeiblätter Anliegerstraßen) sollten als Wohnstraßen ausgeführt werden. Vor allem in der Leystraße gibt es keine Garageneinfahrten und somit gibt es keinen Durchgangsverkehr. In Wohnstraßen ist das Betreten der Fahrbahn und das Spielen gestattet. Damit ist eine Wegverbindung mit höherer Aufenthaltsqualität zwischen Rudolf-Bednar-Park und Freier Mitte gewährleistet.

Ruhender Verkehr Schule

Verkehrsflächen erzeugen Verkehr!

Daher sollten rund um den Campus keine neuen oberirdischen Pkw-Stellplätze vor der Schule oder im Nahbereich entstehen. Die Garagen der umliegenden Wohnbauten sind nicht ausgelastet, hier gibt es genug Platz. Der gewonnene Platz soll als öffentlicher Freiraum genutzt werden.

Für die Wohnbauten gilt eine reduzierte Stellplatzverpflichtung. Wir schlagen vor, dieses innovative Konzept auch auf den Bildungscampus anzuwenden.

Schulkonzept:

Wir begrüßen das aktuelle Schulkonzept Campus+ (einfacher Übergang Kindergarten-Schule, Inklusion etc.). Als Schulschwerpunkt schlagen wir Natur und Umwelt vor. Der Nordbahnhof ist Lebensraum einiger geschützter Tierarten und die „Freie Mitte“ bietet sich als erweiterter Lernraum an. Auch das Thema „Nachhaltige Mobilität“ kann hier angesichts des gestalterischen Gesamtwillens im neuen Masterplan sehr gut bespielt werden.

Die Stellungnahme als Download: Stellungnahme Bildungscampus

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4 Gedanken zu “Mehr als Schule ?! Unsere Stellungnahme zum neuen Bildungscampus

    1. Hallo, nein das weiß man noch nicht. Ich denke aber man kann davon ausgehen das er in etwa den letzten Campusprojekten zb. Hauptbahnhof ähnlich sein wird. Die Widmung lässt allerdings eine Höhe bis 23m zu.

  1. Pingback: Termine, Termine. – Lebenswerter Nordbahnhof

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